Zuchtperlen

Als Zuchtperlen bezeichnet man Perlen, deren Entstehung ganz oder teilweise durch den Menschen veranlasst wurde. Im Gegensatz zu natürlichen Perlen werden hier also sowohl die Muscheln gezüchtet, als auch die Entstehung von Perlen veranlasst.  
 

Bereits im 13. Jahrhundert wurden in China kleine bleierne Buddhafiguren an die Innenwand von Muschelschalen geheftet, um sie von Perlmutt überziehen zu lassen. 

Die ersten runden Perlen wurden jedoch erst 1761 vom schwedischen Naturforscher Carl von Linne gezüchtet. 

1893 gelang es dem Japaner K. Mikimoto, halkugelförmige Perlen zu züchten. 

Durch die Forschungsarbeiten des Deutschen F. Alverdes und der Japaner K. Mikimoto und T. Mise in den 20er-Jahren dieses Jahrhunderts wurde erstmals eine großtechnische Zucht möglich. 

Um die Austern zur Perlproduktion anzuregen, werden gedrechselte Perlmuttkügelchen aus der Schale einer amerikanisschen Süßwassermuschel zusammen mit einem Epithelzellengewebe- Stückchen in das Bindegewebe des Mantels insertiert. 

Das mit dem Kern verpflanzte Epithelzellengewebe beginnt nun zu wuchern, und hüllt den Kern mit dem sog. Perlsack ein. 

Im Inneren des Perlsackes werden darauf sowohl Aragonitplättchen (Calziuncarbonat) als auch Conchin schichtweise auf dem Kern abgeschieden und dieser dadurch vollständig mit Perlmutt umhüllt. 

Dieses Verfahren wird bei allen Salzwaserperlen angewandt. 

Nur bei kernlosen Süßwasserperlen wird kein Kern sondern nur ein Stück Epithelzellengewebe insertiert.

 Der Grund, überhaupt einen Kern zu insertieren, wenn doch theoretisch gar keiner nötig wäre, liegt darin, die Produktivität der nur langsam wachsenden Perlen zu steigern, da der insertierte Kern nur mit einer verhältnismäßig dünnen Perlmuttschicht umwachsen werden muß. 
Das Einsetzen des Kerns in die Muschel erfordert geschickte Hände, traditionellerweise wird diese Arbeit von Frauen erledigt., sie operieren täglich 300 bis 1000 Austern. 
Bei einer Größe des Kerns von 6-7 mm muß der Kern drei Jahre lang in der Muschel verbleiben, bis eine Schichtstärke von 0.8 - 1.2 mm abgeschieden wurde. Bei Kernen von 9mm und mehr, verhindert eine Mortalität von 80 %  noch größere Perlen. 
Die zur Zucht nötigen Austern werden in Buchten gehalten und leben in 2-6 m Tiefe hängenden Körben, die mit Seilen an Bambusflößen befestigt sind. 
Mehrmals im Jahr müssen die Körbe und Austern von Tang und anderen Belägen befreit werden, auch natürliche Feinde wie Fische, Krebse, Polypen und ein best. Zooplankton haben einen shädlichen Einfluß auf die Perlzucht. Da die Wassertemperatur für das Gedeihen der Austern einen großen Einfluß hat, und die Austern unter 11° C. absterben, müssen die Flöße im Winter oft in weiter südlich liegende Gewässer gebracht werden.  
In den kalten japanischen Gewässern liegt die wachstumsgeschwindigkeit der Perlen nur bei ca 0.3 mm pro Jahr, in der wärmeren Südsee beträgt sie immerhin bis zu 1.5 mm pro Jahr.  
Die günstigste Erntezeit für japanische Perlen ist im Winter, da zu dieser Zeit die Absonderung des Perlmutts gering ist, und sich ein besonders guter Lüster einstellt. Bei der Ernte werden die Perlen den Austern entnommen, gewaschen, getrocknet und anschließend nach Farbe, Größe, Form und Qualität sortiert. Von der Gesamtproduktion sind nur ca 10 % von guter Qualität, 10 - 15 % sind Ausschuß. 
Die ersten japanischen Perlfarmen entstanden inm südlichen Honshu, heute findet man auch Farmen in Shikosku und Kyushu. Seit 1956 werden Perlen und Mabeperlen auch in den Küstengewässern Nord- und Westaustraliens gezüchtet. 
Seit den fünfziger-Jahren gibt es im Biwa-See nördlich von Kyoto auf Honshu eine Süßwasserperlenzucht. 
Dort  werden den Muscheln jeweils 10 ca. 4 x 4 mm große Epithelzellengewebestücke beidseits des Mantels insertiert. 
Obwohl meist kein Kern verwendet wird, sind die entstandenen Perlen bereits nach zwei Jahren 6 - 8 mm groß, jedoch selten rund, sonder baroque. Oft werden die geernteten Perlen noch ein zweites Mal insertiert, um die Größe und Form zu verbessern. 
Die natürlichen Farben weißrosa, orange, goldgelb, braun und bläulich werden oft gebleicht, um eine schöne, wieße Farbe zu erhalten. Die Zucht erfolgt wie bei den Salzwasserperlen, jedoch nur in Wassertiefen von 1 - 2 m. Da die Muscheln im Süßwasser geschützter sind, liegt die Erfolgsquote hier deutlich höher.